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Zu einer Schmerzbehandlung gehört zu Beginn und im Verlauf der Therapie die Suche nach einem auslösenden Ungleichgewicht in der Vorgeschichte, dem Verhalten, der Beziehung zu Umwelt und Ernährung, der Haltung, des Muskeltonus, des Gelenkspieles, des Zusammenspieles der inneren Organe sowie der hormonellen und energetischen Regelkreise.

Aus traditionell chinesischer Sicht ist Schmerz der Schrei des Gewebes nach Energie . Die aktive Mitarbeit des Patienten ist erforderlich um vermeidbare Abweichungen vom innerern und äußeren Gleichgewicht sowie andere Quellen eines Energieverlustes zu reduzieren und regelmäßige Zeiten der Erholung und Regeneration im Tagesablauf einzuordnen.

Wie jede Therapie sollte auch die Schmerzbehandlung in erster Linie die Fähigkeit des Patienten fördern, bewußt und unbewußt immer schneller zum Gleichgewicht zurückzukehren . Um die Selbstheilungskräfte des Patienten optimal zu kräftigen, sollte der therapeutische Impuls so schwach wie möglich sein. Das Therapieprinzip :" so viel wie nötig, so wenig wie möglich" partizipiert den Patienten am Heilungsvorgang. Die Therapie überbrückt anfänglich unüberwindliche Hindernisse, zeigt dem Körper aber auch einen Weg, den dieser in Zukunft zunehmend selbstständig gehen kann.

Therapie als "Hilfe zur Selbsthilfe" erinnert in vielem an die kleinkindliche Entwicklung: An die natürliche Neugier unserer Sinnesorgane nach neuen Eindrücken, sowie einer bewußteren Wahrnehmung unseres Körpers und unser Umwelt, an das zunehmend stabile Gleichgewicht bei den ersten Gehversuchen oder das Erlernen der Notwendigkeit von Kompromissen, der Benutzung von Umwegen oder einer Hilfestellung zur Erreichung eines Zieles.

Besonders wichtig ist es, über das Beispiel der Kinder wieder zur Gegenwärtigkeit zu finden, zur vollen Aufmerksamkeit und der uneingeschränkten Wahrnehmung und Empfindung des Augenblicks, zu lernen eine Last auch wieder abzulegen und frei von allem Gewesenen Schritt für Schritt die Freude und Tiefe jeden Augenblickes auszuloten. Schmerz entsteht durch Anhäufung von Lasten. Wenn Körper, Seele und Geist lernen sich immer wieder von allen Lasten zu befreien, kommen sie ohne Schmerz aus.

Selbst bei der direkten Schmerzbehandlung können wir von Kindern und natürlichen Mutterinstinkten lernen. Am Schmerzpunkt verliert der Körper wie ein Luftballon aus einem Loch Energie. Der erste Impuls von Kind und Mutter ist es, die schützende Hand über den Schmerz zu halten, durch eine embryonale Haltung des Kindes und ummantelnde Umarmung der Mutter den Körper vor Energieverlust zu schützen und durch sanfte, streichelnde Massagen entlang der Meridiane den Energiefluß zu unterstützen.

Durch eine angenehme, vertrauenerweckende Atmosphäre und eine entspannende Lagerung lösen sich bereits die ersten Blockaden für eine Heilung. Die warme Stimme des Therapeuten ist genauso wichtig wie eine warme Umgebungstemperatur oder vielleicht eine schützende Decke. Der geübte Therapeut spürt meist die Blockaden noch bevor er sie ertastet und löst diese behutsam , Schritt für Schritt von der Peripherie bis zum Zentrum des Geschehens schreitend. Dabei können sanfte mobilisierende Techniken aus der Osteopathie und Chirotherapie vorbereitet werden durch eine tonisierende oder sedierende Stimulation entsprechender Akupunkturmeridiane, Muskel- oder Bindegewebszüge. Bleibt der Erfolg aus oder ist er nur kurzzeitig bedarf es manchmal auch einer neuraltherapeutischen oder homöopathischen Störfeldbehandlung, einer Entgiftungs- oder Umstimmungsbehandlung oder sonstigen Terrainsanierung.
Wichtig ist immer die entsprechende Änderung der das Ungleichgewicht verursachenden Lebensweise.

Trotzdem verbleibt manchmal bei chronischen Krankheiten ein mehr oder weniger großer Schmerz. Wir können dann fragen: Wer oder was in mir erzeugt, empfindet, bewertet und deutet den Schmerz ? Welche Aufgabe hat der Schmerz in meinem Leben? Wie müßte ich leben, um ohne ihn auszukommen? Kann und will ich das? Ich kann diesen Teil meines Körpers, meiner Persönlichkeit oder meines Bezuges zur Umwelt hassen, bekämpfen, verstehen, akzeptieren, unterstützen oder lieben. Letzteres gelingt selten, wirkt aber manchmal Wunder. Wenn wir es schaffen die neuronenbedingte Koppelung von Schmerz, Verspannung, Depression sowie Aggression zu überwinden, unterbrechen wir den wichtigsten Rückkopplungsmechanismus des Schmerzes, entziehen ihm den Boden unter den Füßen. Ein anderer Weg den Schmerz aufzulösen beruht auf dem Verständnis von Schmerz als Ort eines Energiemangels. Durch sehr präzises Spüren des Schmerzes, seiner Lokalisation, seiner Dichte und aller sonstigen asoziierbaren Charakteristika füllen wir das Energieloch mit Gedankenenergie. Die ebenfalls schmerzauslösenden Strukturen in der Umgebung entspannen sich und der Regelkreis von Schmerz und Verspannung und das eingefleischte Schmerzmuster löst sich womöglich auf. Vielleicht schafft es der schmerzgeplagte Mensch auch, die einsame Leere von Angst und Schmerz mit Vertrauen und Liebe zu sich und und zum Leben zu füllen. Es erfordert viel Mut, sich in die Leere von Angst und Schmerz fallen zu lassen um auf der anderen Seite in seiner eigenen Tiefe Halt und neue Kraft zu finden. Einfacher ist es, dem Schmerz vorzubeugen oder ihn zu lindern durch liebevollen Umgang mit sich selbst und seinem Körper, eine angemessene Be- und Entlastung sowie Körper- und Geistespflege und eigenständige oder zumindest natürliche Ausgleichs- und Behandlungstechniken.

 

1/02 Bericht : Dr. Khalil Kermani / Puerto de la Cruz /Teneriffa

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