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Psychogramm des homöopathischen Konstitutionsmittel
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Psychogramm des homöopathischen Konstitutionsmittel
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Nicht nur Mineralien, Metalle, Pflanzen und Tiere werden in der Homöopathie zu Mitteln verarbeitet, sondern auch Krankheitsprodukte. Diese nennt man dann die sogenannten Nosoden und sie haben, selbstverständlich sterilisiert und potenziert, eine tiefgreifende Wirkung und werden gerne bei schweren und chronisch verlaufenden Krankheiten eingesetzt, bei denen oft auch eine ererbte Veranlagung eine Rolle spielt. Zu diesen Nosoden gehört auch das Tuberkulin, dessen wirksamste Variante aus dem Speichel eines Tuberkulose-Kranken gewonnen wird.

Tuberkulose oder früher auch "Schwindsucht" genannt, war von altersher die Geisel der Kriege, der Flüchtlinge und der Armen. Aber auch ein ausschweifender Lebensstil machte für diese Krankheit anfällig und führte zu einem schleichenden Tod, der sich unberechenbar über viele Jahre hinziehen konnte oder aber sehr schnell zum Ende führte. Große Persönlichkeiten wie Wolfgang Borchert und Franz Kafka erlagen dieser Erkrankung. Beide können exemplarisch für den Menschen gesehen werden, der heute Tuberkulinum als Konstitutionsmittel braucht: Menschen mit großen ausdrucksvollen Augen in denen man eine unerfüllbare, tiefe Sehnsucht wahrnimmt. Menschen mit großer künstlerischer Begabung und voller Kreativität und tiefer Empfindungsfähigkeit. 

Solange sie sich in der Kunst, im Theater oder bei vielen Reisen ausleben können, bleibt ihre Seele noch im Gleichgewicht, aber zerstören Kriege, Gewalt oder eine seelenlose materialistische Gesellschaft diese Lebensgrundlage, kippt die zarte und anfällige Psyche um ins Krankhafte.

Aus der Sicht der Reinkarnationstherapie kommt diese Seele an mit der unerfüllten Suche, sie hat Luxus, Macht, Entsagung, oberflächliche Ablenkung, alles ausprobiert, was die Welt zu bieten hat und festgestellt, dass es das alles nicht ist. Diesmal macht sie einen erneuten Anlauf, etwas zu finden, was nicht dem Alterungsprozess, nicht dem Zerfall und dem Tod geweiht ist. Aber diese unruhige Seele zieht auch ein unruhiges, schnelllebiges Zeitalter wie das unsere an . Das erleichtert den Weg dieses Menschen nicht, im Gegenteil, es bringt ihn in Gefahr, das Alte zu wiederholen, wenn er nicht begreift, worum es wirklich bei ihm geht. Gerade Kinder mit tuberkulinischem Wesen sind in unserer Gesellschaft höchst gefährdet, wenn Eltern sich scheiden lassen und sie hin und her geschoben werden, oder wenn ihre künstlerische Ader im Sicherheitsdenken der Eltern erstickt wird, entsteht aus der kreativen Suche, die nie zu befriedigende Sucht.

Tuberkulinmenschen sind getrieben, sie rasen durch ihr Leben, ständig in der Angst, etwas zu versäumen, wie ein TB - Kranker, der nicht weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Sie suchen ihre Seligkeiten in ständig wechselnden Partnerschaften, in häufigen Umzügen, in immer neuen Berufen, in Urlaubsreisen oder New - Age - Angeboten. Wir leben in einer tuberkulinischen Zeit: Technologien, Modeströmungen, Trends und Meinungen sind kaum aktuell, schon wieder veraltet. Man bekommt keine Luft mehr wie der TB - Kranke, man lebt nicht, man wird vom Leben mitgerissen wie von einer Stromschneeschnelle.


Ein Tuberkulinmensch braucht Schönheit, Ästhetik, Luxus, Schminke, weil er auf keinen Fall seine Vergänglichkeit sehen möchte. Wenn er stehen bleibt, glaubt er, er könne dem Tod begegnen, den er einerseits ersehnt, weil er als einziger Ruhe zu bringen verspricht , den er aber fürchtet, weil danach nichts mehr kommen könnte, denn der Tuberkuliniker hat das verloren, was er braucht wie die Luft zum atmen: das Göttliche oder das Numinose, wie C. G. Jung es nennt, selbst ein " heiler" Tuberkulin - Mensch. Wenn der Tuberkulin - Mensch sich durch das Mittel seiner Sinn - und Rastlosigkeit bewusst wird, ist es die Aufgabe des Therapeuten, ihm zu zeigen, womit er seine Leere füllen könnte, nämlich mit etwas, was nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist, das sind die Kunst und die großen alten Philosophien, deren sich C. G. Jung bediente und die ihn in seiner Kreativität inspirierten. Er war nicht nur Psychologe und Arzt, er war auch Künstler und das hat ihn in dieser trockenen und theoretischen Wissenschaft lebendig hervorgehoben und ihn zu dieser herausragenden Persönlichkeit geformt. Man muss als Tuberkulin - Mensch kein C. G. Jung werden, aber man sollte dem religiösen , kreativen Teil in sich einen Raum geben, dann können Ruhe und Meditation zur Quelle neuer Impulse werden und der Tod ist kein Greuel mehr, sondern das Tor zu einer neuen Ebene, jeden Tag, mitten im Leben.


 

1/2000 Bericht von Silvia Hiener, Heilpraktikerin/Stühlingen

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